Venezuela, Grönland: Der (Wirtschafts-)Krieg der Großmächte bedroht uns alle!

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Kaum hatten die USA den Präsidenten Venezuelas gekidnappt und unter einem Vorwand ins Gefängnis gesteckt, da hat Trump seine Aufmerksamkeit schon auf das nächste Land gerichtet: auf Grönland. Dreist hat er verkündet, die USA würden die Insel jetzt übernehmen.

Grönland wird gerade interessant, weil wegen der Klima-Erwärmung das ewige Eis schmilzt. Unter ihm liegen dort riesige Mengen an Seltenen Erden, die für die Produktion von E-Autos, Computern, Handys usw. unverzichtbar sind – und die im Handelskrieg mit China eine wesentliche Rolle spielen. Außerdem wird das Meer vor der Küste Grönlands ohne das Eis zu einer sehr interessanten Route für Handels- und Militärschiffe.

Die US-Regierung will all dies unter ihrer alleinigen Kontrolle haben. Wer sich dagegen stellt, dem droht sie mit Strafzöllen. Und notfalls, so Trump, könne man die Insel auch militärisch besetzen. Es sei sicher niemand bereit, sich wegen Grönland militärisch mit den USA anzulegen.

Ärmere Staaten aufkaufen, ihre Regierungen verhaften, sie militärisch besetzen: Das sind die Methoden der größten imperialistischen Macht der Welt. Von wegen, die Zeit der kolonialen Unterdrückung wäre vorbei und es herrsche das „Völkerrecht“! In Wahrheit gilt in ihrem kapitalistischen Weltsystem nur ein Recht: das Recht des Stärkeren. Und das nicht erst seit Trump.

Insbesondere die USA als wirtschaftlich stärkste Weltmacht haben eine lange Tradition von Militärinvasionen. Von der Invasion Guatemalas 1953 bis zu der Panamas 1989, vom Putsch in Chile 1973 und Argentinien 1976 bis zum Putsch-Versuch in Venezuela 2022 hat der US-Imperialismus immer wieder seine Herrschaft über den amerikanischen Kontinent mit Gewalt bekräftigt.

Und nicht nur auf dem amerikanischen Kontinent! Unsere Kollegen, die zum Beispiel aus dem Irak oder Afghanistan geflohen sind, haben am eigenen Leib erlebt, wie die USA – mit Unterstützung europäischer Truppen – unter absurden Vorwänden in ihr Land einmarschiert sind, es zerstört und besetzt haben.

Geändert hat sich, dass die US-Regierung nicht einmal mehr so tut, als würde es bei ihren Militärinterventionen um die Verteidigung von „Demokratie und Freiheit“ in der Welt gehen. Stattdessen erklärt Trump nun ganz offen, dass in Venezuela die bestehende Militär-Diktatur gerne weiter an der Macht bleiben könne… solange die USA künftig das Öl bekommen und das Regime ihnen gehorcht.

Diese Veränderung in Ton und Vorgehen erklärt sich nicht allein mit der Persönlichkeit Donald Trumps, sondern vor allem damit, dass der Konkurrenzkampf mit dem größten Rivalen China immer aggressivere Züge annimmt.

So haben die USA Lateinamerika immer als ihre Kolonie betrachtet. Doch China hat es geschafft, zum zweitgrößten Handelspartner Lateinamerikas zu werden. Aus Venezuela, dem Land mit den weltweit größten Ölreserven, gehen mittlerweile 80% des Öls nach China. Das wollen die USA nicht länger dulden.

Die US-Regierung hat im Dezember offen erklärt, dass der gesamte amerikanische Kontinent wirtschaftlich und politisch wieder unter alleiniger Führung der USA stehen müsse. In Venezuela haben sie gezeigt, wie sie das durchsetzen wollen. Und nun sind Kolumbien, Kuba und Grönland an der Reihe… wenn diese sich nicht freiwillig unterordnen.

Kanzler Merz, der beim Überfall auf Venezuela die USA noch unterstützt hat, präsentiert sich nun zusammen mit Macron und Co. als Verteidiger der „Freiheit und Selbstbestimmung Grönlands“ und der „Unverletzlichkeit der bestehenden Staatsgrenzen“. Doch das ist ein mindestens ebenso schlechter Scherz.

Grönland liegt viel näher an den USA als an Europa. Und es gehört nur deshalb zu Dänemark, weil Dänemark selber diese Insel im 18. Jahrhundert erobert und sich als Kolonie einverleibt hat.

Die Bevölkerung Grönlands hatte dabei nie etwas zu sagen. Im Gegenteil: Noch in den 1970er Jahren hat die dänische Regierung ganz jungen Grönländerinnen gegen ihren Willen eine Spirale einsetzen lassen und sie teilweise für immer unfruchtbar gemacht, damit „diese Eingeborenen“ sich nicht vermehren. Und nun spielt sich eben dieses Europa als Verteidiger der grönländischen Bevölkerung und ihres Rechtes auf Selbstbestimmung auf?

Merz und Macron verteidigen ebenso wenig Freiheit und Völkerrecht wie Trump. Ihnen geht es einzig darum, ihre Kolonie nicht zu verlieren – und mit ihr den einzigartigen Zugang zu Rohstoffen und wichtigen Handelsvorteilen.

In einem lächerlichen Versuch Eindruck zu schinden, haben sie ein paar Soldaten nach Grönland geschickt… und schnell wieder abgezogen. Und nun versuchen sie, die übermächtige USA zu einem Deal zu überreden: Europa bekommt einen Teil der grönländischen Rohstoffe. Und im Gegenzug schickt die EU noch viel mehr Soldaten in die Arktis und hilft den USA dabei, die Arktis auch militärisch gegen den Konkurrenten China zu „verteidigen“.

Wenn es nach „unserer“ Regierung geht, sollen künftig auch deutsche, französische und polnische Soldaten ihr Leben riskieren, um die Rohstoffquellen und Handelswege in der Arktis für US-amerikanische und europäische Kapitalisten zu verteidigen. Und was kommt als nächstes?

Weder in den USA noch in China oder Deutschland haben die Arbeitenden ein Interesse daran, für die Rohstoff- und Profitinteressen ihrer jeweiligen Herrschenden ihr Leben zu riskieren. Eben deshalb ist die Arbeiterklasse die einzige, die dieser Kriegsspirale weltweit ein Ende setzen kann.