Russland-NATO: Von beiden Seiten geschürte Spannungen

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Erst waren russische Drohnen über Polen und Rumänien geflogen und von der NATO abgeschossen worden. Dann fingen NATO-Flugzeuge russische Militärflugzeuge ab, die wohl einige Minuten über das Meer im estnischen Luftraum geflogen waren. Und nun gab es an Flughäfen in Dänemark mehrere Störfälle durch Drohnen unbekannter Herkunft, hinter denen man sofort Russland vermutete.

Seitdem wird hier das Gefühl geschürt, dass Russland „uns“ – Europa – bedrohe, und Europa nun hart reagieren und zum Beispiel russische Flugzeuge abschießen müsse. Und dass Russland ganz allein schuld sei, wenn die Lage eskaliere und es zum Krieg kommen sollte. Wir sollen so viel Angst bekommen, dass wir all dem zustimmen und denken: Wir haben ja keine Wahl, wir werden von Russland angegriffen.

Tatsächlich werden die Vorfälle ganz bewusst übertrieben. In Wahrheit passiert es auf der ganzen Welt immer wieder, dass Militärschiffe und -flugzeuge kurzzeitig in „feindliches“ Gebiet navigieren – von Drohnen ganz zu schweigen.

Doch vor allem: Sie stellen es dar, als wäre der Westen ein Friedensengel und nur Russland der Kriegstreiber.

Die Wahrheit ist: Schon seit vielen Monaten fliegen westliche Drohnen über Russland. Und es sind nicht nur irgendwelche billigen Stör-Drohnen, sondern High-Tech-Kampfdrohnen, die Wohnblocks in Moskau oder Saratow bombardieren, Bahngleise, Flughäfen und Fabriken zerstören.

Oh, natürlich bombardieren sie nicht unter deutscher oder US-amerikanischer Flagge, sondern unter ukrainischer. Doch Europa ist mittlerweile mit Abstand der größte Waffenlieferant der Ukraine, Deutschland dabei an erster Stelle. Britische, amerikanische, deutsche Militärspezialisten sind in der Ukraine und bilden dort die Soldaten an diesen modernen Waffen aus. Ihre Experten liefern die Koordinaten für die Ziele, die ukrainische Soldaten dann in Russland beschießen. Ihre Hacker legen russische Infrastruktur lahm.

Und beim jüngsten Treffen der „Koalition der Willigen“ Anfang September in Paris haben 26 europäische Länder sich verpflichtet, die Ukraine in der Zukunft militärisch, das heißt gegen Russland, „mit Bodentruppen, Kräften in der Luft und auf See“ zu unterstützen. Was ist das anderes als eine offene Kriegsdrohung – und zwar von mehreren der größten Militärmächte der Welt, darunter den Atommächten Frankreich und Großbritannien?

Der russische Staat reagiert darauf, indem er ebenfalls zunehmend Europa ins Visier nimmt. Diese wechselseitige Eskalation ist es, die uns alle zunehmend bedroht!